Sonntag, 12. Dezember 2010

Lichtecho: Goodbye Hartley 2

Lichtecho: Goodbye Hartley 2: "Leider ist mir der Komet 103P/Hartley 2 irgendwie entgangen. Mal hatte ich keine Zeit, mal war das Wetter nicht danach. Jetzt hat die Hellig..."

Freitag, 28. Dezember 2007

Ein alter Bekannter



Über zwei Monate sind jetzt seit dem großen Helligkeitsausbruch von Komet Holmes vergangen, und immer noch ist er mit bloßem Auge erkennbar, zumindest in mondlosen Nächten (die jetzt wieder anstehen) und an dunklen Orten, wie z.B. im Siebengebirge bei Bonn, wo Daniel Fischer den Kometen beobachtet. Für uns Städter ist die Show definitiv vorbei ... obwohl man da vorsichtig sein sollte; schließlich könnte es ja wie 1892/93 noch eine weiteren Helligkeitsausbruch geben.

Beim letzten Blogeintrag hatte ich eine Bemerkung zu den wieder ansteigenden Besucherzahlen gemacht. Just danach stiegen sie ganz gewaltig an. Die Ursache dafür war bald ausgemacht: der zweite Beitrag von Spiegel Online hatte die Aufmerksamkeit einiger TV-Sender erregt, die dann entsprechende Beiträge ausstrahlten. Zahlreiche Zeitgenossen wurden offenbar dadurch überhaupt erst auf Holmes aufmerksam - einen Monat nach seinem Erscheinen. Und was wir bereits bei McNaught erlebt hatten, wiederholte sich: viele, die die Fernsehberichte gesehen hatten, informierten sich jetzt im Internet weiter. Und da unsere Holmes-Seite zu diesem Zeitpunkt bereits auf Platz 3 bei Google stand, hatten wir entsprechende Besucherzahlen. Die gingen zwar nach einiger Zeit wieder deutlich zurück, blieben aber bis Weihnachten auf einem Niveau von etwa 500 pro Tag. Offenbar wird vor allem die umfangreiche Sammlung von Foto-Links geschätzt.

Apropos Foto: wir haben inzwischen eine ganze Menge qualitativ hochwertiger Fotos des Kometen zugesendet bekommen, worüber wir uns natürlich sehr freuen. Mit der hauseigenen Digitalkamera können wir selber leider nicht allzu eindrucksvolle Bildbeiträge produzieren, wie an dem Foto oben unschwer zu erkennen ist.

Nach 2 Monaten hat man sich an Holmes gewöhnt, er ist fast schon so, als sei er immer da gewesen. Ein alter Bekannter eben, bei dem man von Zeit zu Zeit vorbei schaut, ob es ihm noch gut geht.
Nur die Profis bleiben jetzt noch durchgehend am Ball. Am 24.11. lieferte Flickr zu "Comet Holmes" bereits 1211 Treffer, seitdem sind "nur" 204 weitere hinzu gekommen. Anders bei den Youtube-Videos: aus damals 93 sind nun immerhin 148 geworden. Die Galerie bei Spaceweather ist von 21 auf 25 Seiten angewachsen.

Das wesentliche und für jeden offensichtliche Merkmal des Kometen Holmes ist die enorme Expansion seiner Koma. Die Anzahl der Fotomontagen, die 17p zusammen mit dem Mond als Größenvergleich zeigen, ist nicht gerade gering. Sehr beliebt sind auch Animationen oder Montagen, welche die Entwicklung der Koma dokumentieren. Nun hat ein einzelner Beobachter immer das Problem, dass nicht jede Nacht klaren Himmel bringt. Deshalb hatte ein russische Amateurastronom bereits Anfang November begonnen, Fotos zahlreicher Beobachter zu sammeln, um so die Entwicklung der Koma lückenlos von Tag zu Tag dokumentieren. Sein Projekt hat inzwischen beachtliche Fortschritte gemacht, die man sich auf der Seite "Cosmos Motion" anschauen kann.

Samstag, 24. November 2007

Ein Monat Komet Holmes






Einen Monat ist es nunmehr her, seit Komet Holmes sozusagen über Nacht auf der Bildfläche erschienen ist. Was damals wohl nur die wenigsten dachten: er ist immer noch mit bloßem Auge sichtbar, wenn die Wolken denn einmal Platz machen. Im Moment stört auch der helle Vollmond, der nicht allzu weit von Holmes entfernt durch das Sternbild Stier wandert. Deswegen erscheinen in den letzten Tagen weniger Fotos und auch die Aktivität in den Mailinglisten hat stark nachgelassen. Dass das Interesse an dem seltsamen Schweifstern dennoch ungebrochen ist, beweisen die seit gestern wieder stark anziehenden Besucherzahlen auf Kometen.info. Es kann natürlich auch sein, dass unsere Seite irgendwo empfohlen wurde. Wie dem auch sei, nach 4 Wochen mit Holmes ist es Zeit für einen ersten Rückblick.

Öffentliche Beobachtungen
Wahrscheinlich haben zahlreiche Sternwarten und astronomische Vereine im deutschsprachigen Raum öffentliche Beobachtungen angeboten und genauso wahrscheinlich sind viele an den zumeist ungünstigen Witterungsverhältnissen gescheitert. Ich habe das ehrlich gesagt nicht verfolgt. In Wien hat die WAA an einem Abend mitten in der Stadt ein paar Teleskope aufgebaut, was natürlich eine gewisse Aufmerksamkeit erregt hat (http://www.waa.at/bericht/2007/11/20071105api21.html). Hier in Bonn bietet die Volkssternwarte bei klarem Wetter jeden Montag im Anschluss an die Bibliotheksöffnung Sternbeobachtung für jedermann an. Leider war es an den 4 Montagen, die seit dem Erscheinen von Holmes vergangen sind, jedesmal bewölkt. Gleiches galt auch für die erste Veranstaltung "Bonner Sternenhimmel" in dieser Wintersaison, die am 16.11.07 vorgesehen war. So bot der Tag der offenen Tür am 28.10.07 bislang tatsächlich die einzige Möglichkeit, den Kometen dem Bonner Publikum durchzuführen.

Mailinglisten
Die internationalen Mailinglisten zum Thema Kometen (Verzeichnis) konnten sich in den letzten Wochen über mangelnde Aktivität wahrlich nicht beklagen. Hier wurden auch die diversen Hypothesen über die Ursachen des Helligkeitsausbruchs erörtert. Bizarr wurde es auf der Comets ml, als alles auf die Bilder des Hubble Space Telescope wartete. Einige äußerten den Verdacht, dass das HST nicht auf den Kometen gerichtet würde, weil Fotos für Examensarbeiten Vorrang hätten, und die seien doch nicht so wichtig. Letzteres kann man natürlich auch anders sehen. Irgendwie war plötzlich ein Misston drin, der in offenen Anfeindungen einiger Teilnehmer gipfelte, die sich wechselseitig vorwarfen, vom Wissenschaftsbetrieb mehr oder weniger keine Ahnung zu haben. Es dauerte etwas, bis sich die Wogen geglättet hatten. Natürlich war das HST auf den Kometen ausgerichtet worden, doch wer sich von den Bildern die Lösung des Rätsels um 17p versprochen hatte, wurde enttäuscht. Mal abgesehen von all dem Staub in der Koma ist das HST schon vom Auflösungsvermögen überhaupt nicht in der Lage, den Kern des Kometen zu beobachten. Der misst etwa 3 - 4 Kilometer und befindet sich in einer Entfernung von der Erde, in der das Teleskop Einzelheiten mit einem Durchmesser unter 56 Kilometern überhaupt nicht auflösen kann.

Holmes im Web 
Auf den astronomischen Webseiten hat Holmes eine Durchdringung von nahezu 100% erreicht. Alle Info-Portale haben einen oder mehrere Beiträge gebracht und die Fotogallerie auf Spaceweather ist inzwischen bei 21 Seiten angelangt. In 4 Wochen hatte natürlich jeder irgendwann mal klaren Himmel und die Gelegenheit, das Teleskop oder einfach nur die Digitalkamera auf Holmes zu richten. So ist 17p logischerweise inzwischen auf unzähligen privaten Webpages präsent. Auch Kometen.info hat eine Reihe von Foto-Zusendungen erhalten. Wir mussten die Seite mehrmals umstrukturieren, um einerseits die Fotos präsentieren zu können und andererseits die Seitengröße in einem zumutbaren Rahmen zu halten. Wie üblich verfolgen wir auf Kometen.info die aktuellen Entwicklungen und aktualisieren die Seite zu 17p mindestens einmal täglich. Wer wirklich detaillierte Updates auch zur aktuellen Diskussion und Hinweise auf besonders interessante Fotos haben wollte, war beim Cosmic Mirror wie üblich bestens aufgehoben.

Noch ein Blick auf das Web 2.0
Flickr liefert zu "Comet Holmes" aktuell 1211 Ergebnisse (http://www.flickr.com/search/?q=comet+holmes), alleine in unserer Flickr-Gruppe sind inzwischen 120 Fotos eingestellt worden, die Mitgliederzahl liegt bei 52. Die Videosuche bei Youtube erbringt zu "Comet Holmes" immerhin 93 Treffer.

Komet Holmes in den Medien 
Diesmal waren die Medien richtig schnell; noch am 24.10. hatte es eine Presseinformation aus dem Vorstand der VdS gegeben, und die war auf fruchtbaren Boden gefallen. Am 25.10. war Holmes in Zeitung und Fernsehen voll präsent. Ob nun Absicht oder nur Missverständnis - die Schlagzeile "Komet Holmes ist so hell wie der Mond" war zwar sachlich unzutreffend, aber immerhin ein Blickfänger; hervorragend hingegen der erste Beitrag von Spiegel Online, der Titel Unheimlicher Komet schon doppelt so groß wie die Sonne eines späteren Artikels war weniger gelungen; immerhin wurde dann im Text erläutert, dass der unheimliche Komet uns nicht auf den Kopf fallen wird. Martin Wagner hat es am 28.10.07 wieder geschafft, eines seiner Fotos in den Tagesthemen zu platzieren (Screenshot).

Komet Holmes am Himmel
Einen Helligkeitsausbruch in der Größenordnung wie bei Holmes hat es in der Geschichte der Astronomie wohl noch nie gegeben. Dass das Interesse der Fachwelt und der Amateurastronomen in höchstem Maße geweckt ist, ist daher verständlich. Aber auch für die Öffentlichkeit bot Holmes etwas. In den ersten 2 Wochen war er selbst aus dem Lichtermeer der Städte heraus mit bloßem Auge sichtbar, das Wort vom "Urban Comet" machte die Runde. Aber natürlich war sein Erscheinungsbild - zumal es ihm am Schweif mangelt - bei weitem nicht so spektakulär wie das von Hyakutake oder Hale-Bopp. Und auch McMaught machte nach dem 10. Januar - wenn man ihn denn zwischen den Wolken einmal sehen konnte - mehr her. Das Problem ist zudem, dass man sich etwas am Himmel orientieren können muss, um ein eher mittelprächtiges Objekt wie Holmes aufzufinden. Man kann sagen, dass das Interesse an Holmes in nichtastronomischen Kreisen durchaus mit seiner Helligkeit korrelliert - eben mittelmäßig.

Unser Holmes
Kometen.info hat wie bei McNaught wieder positive Resonanz gefunden, zwischenzeitlich wurde allerdings die lang gewordenen Ladezeit kritisiert. Wir haben mit eine Reduktion der Bildgrößen und dem Verzicht auf die Werbebanner reagiert. Letztere wurden durch Textlinks ersetzt. Bemerkenswert war allerdings, dass die Kritik aus einem Astronomieforum kam, dessen Threads mit unkomprimierten Bildern überfrachtet sind - Einzelseiten mit 10 Postings haben da oft eine Dateigröße von 1 mb und niemanden scheint es zu stören. Irgendwann haben wir auch einen Telefonanruf zu Holmes erhalten. Die Dame war etwas merkwürdig und nach einigen Minuten stellte sich dann heraus, dass es sich um eine recht abgedrehte Esoterikerin handelte, die in 17p wohl mehr sieht als einen Staubklumpen. Ob sie da oben nun eine Basis der Exoterresten vermutet, habe ich nicht mehr in Erfahrung bringen können, weil ich vorher aufgelegt habe.

Montag, 5. November 2007

Chat zu Komet Holmes




Chat zu Komet Holmes am Mittwoch, 07.11.2007, 20.00 Uhr MEZ unter:
http://www.kometen.info/cgi-bin/webchat.php.cgi?showlogin=1&nopopup=1

Kometen - immer für eine Überraschung gut



Nachdem McNaught seine große Show abgeliefert hatte, wartete die Astro-Gemeinde natürlich auf den nächsten hellen Schweifstern. Für Dezember 2007 angekündigt ist der periodische Komet Tuttle (8p), der einen ganz netten, aber eher bescheidenen Auftritt verspricht. Immerhin, mit etwas Glück könnte er als Nebelfleckchen mit bloßem Auge sichtbar werden.

Dann entdeckte Terry Lovejoy am 15.03.2007 auf Fotos, die er mit einer Digitalkamera (ohne Teleskop!) gemacht hatte, einen verwaschenen grünlichen Fleck, der sich als neuer Komet entpuppte. Der Fund wurde am nachfolgenden Abend durch John Drummond in Neuseeland bestätigt. Der Schweifstern, der die Bezeichnung C/2007 E2 erhielt, hatte zu diesem Zeitpunkt bereits eine Helligkeit von 9.5 mag; es ist daher durchaus überraschend, dass er nicht früher entdeckt worden war.
Bald lagen dann auch Ephemeriden für Komet Lovejoy vor. Demnach sollte C/2007 E2 im Laufe des März / April steil nach Norden wandern, am 25.04.2007 seine geringste Entfernung zur Erde erreichen und eventuell mit bloßem Auge sichtbar werden. Doch da es sich offenbar um ein sehr kleines Objekt handelt, wurde er letztlich aber nicht heller als etwa 7.5 mag - immerhin ein Feldstecherobjekt.
Mehr als ein Feldstecherobjekt sollte auch Komet LONEOS (C/2007 f1) nicht werden, zumal er nur in der Dämmerung sichtbar sein würde, wenn auch unter etwas günstigeren Bedingungen als McNaught. Anfang Oktober stellte sich heraus, dass seine Helligkeit größer war als prognostiziert. Am 16./17.10.07 hatte er nach Meldungen verschiedener Beobachter eine Helligkeit von ca. 6.0 mag; in Irland gelang unter optimalen Bedingungen eine Sichtung mit bloßem Auge. In den folgenden Tagen näherte sich LONEOS immer mehr dem Horizont, sodass er auch mit einem Fernglas nur unter optimalen Bedingungen auffindbar war. Wir selber sind am Abend des 24.10.07 in Bonn am horizontnahen Dunst gescheitert, in dem mit Feldstecher nur Sterne bis zur 4. Größe sichtbar waren.

Ende Oktober 2007 hatte LONEOS eine Helligkeit von 5.2 mag erreicht, doch da war seine Sichtbarkeitsperiode in mittleren nördlichen Breiten bereits beendet. Freilich interessierte sich zu diesem Zeitpunkt niemand mehr für LONEOS, denn am 24.10.2007 war wie aus dem Nichts Komet Holmes aufgetaucht.

Am Nachmittag des 24.10.2007 hatte ich in Kronberg bei Frankfurt an einer Besprechung teilgenommen, bei der es u.a. um die Präsentation astronomischer Events wie z.B. der MoFi am 21.02.2008 oder der totalen SoFi in China am 01.08.2008 ging. Das zog sich so bis 20.30 Uhr hin. Da ich hungrig war, habe ich dann an der Raststätte Bad Camberg zu Abend gegessen. Erst gegen 23.00 Uhr war ich wieder in Bonn. Ich habe meine Emails abgefragt, ein paar Sachen erledigt, die tagsüber liegengeblieben waren und wollte zum Schluss noch schnell die astronomischen News abfragen - in der sicheren Erwartung, dass da heute nichts wesentliches passiert war. Natürlich wollte ich auch wissen, was LONEOS machte. Als ich den Cosmic Mirror schaute, dauerte es ein paar Sekunden, bis ich realisiert hatte, dass die folgende Schlagzeile sich nicht auf LONEOS bezog:

"Incredible comet eruption: from under 17th to 3rd magnitude in hours!" Der nachfolgende Text hätte auch aus einem Science Fiction-Roman stammen können. Aber es bestand kein Zweifel: binnen Stunden war ein neuer heller Komet aufgetaucht.

Es wurde dann eine lange Nacht, denn nun musste eine komplette neue Seite für das Kometen.info erstellt werden. Außerdem wollten Wikipedia und Astronation versorgt werden. Ferner war auch hier in Bonn Handlungsbedarf, da am 28.10. Tag der Offenen Tür bei der Volkssternwarte Bonn war, inklusive einer Sternführung Also wurde eine Email folgenden Inhalts an einige Vorstandsmitglieder gesendet:

Vielleicht habt Ihr ja schon von der Sensation am Sternenhimmel gehört: im Perseus gibt es einen "neuen" Stern oder genauer einen Kometen, der durch einen ebenso rätselhaften wie gewaltigen Helligkeitsausbruch binnen 24 Stunden von der 16. auf die 3. Größenklasse angewachsen ist (aktuell: 2.5 mag). Wenn ich die Diskussionen in den internationalen Mailinglisten richtig interpretiere, wird der wohl noch ein paar Tage auf ähnlichem Niveau bleiben (zur Zeit wird er sogar noch ganz leicht heller). Ich hab in nächtlicher Stunde gerade eine Infoseite gebastelt:
http://www.kometen.info/17p.htm . Dort gibt es auch weiterführende Links. Selbst wenn der Komet keine Schweif hat, wäre er natürlich für die Sternführung am Sonntag ein Knüller. Das Wetter soll ordentlich werden ...
Vielleicht erst einmal eine Pressemitteilung an GA und Rundschau am heutigen Donnerstag?! Es sollte dann auch einen kurzen Einführungsvortrag dazu geben - ich verzichte dafür gerne auf die atmosphärischen Phänomene, weil das aktuelle Ereignis m.E. für die Öffentlichkeit viel spannender ist. Auf jeden Fall wäre es schade, dieses himmlische Geschenk nicht für die Öffentlichkeitsarbeit zu nutzen. Ich erinnere mich noch gut, welcher Andrang bei dem Sternabend herrschte, als der viel unscheinbarere Machholz gezeigt wurde. 

Die Kometenaktion beim Tag der offenen Tür war denn auch ein voller Erfolg, einen kurzen Bericht davon gibt es bei Astronation.

Kometen sind immer für Überraschungen gut - und erfordern manchmal ziemlich viel Flexibilität ...

Mittwoch, 17. Januar 2007

Komet McNaught und die Medien

Das war er also nun, der zweithellste Komet der letzten 70 Jahre. Zugegeben, er stand nicht wie Hale-Bopp und Hyakutake mit mächtigem Schweif am Nachthimmel. Selbst als er so hell wie die Venus wurde, nahm ihm die Nähe zur Sonne viel von seiner Brillanz. Hinzu kam das vor allem im nördlichen Mitteleuropa durchweg schlechte Wetter der ersten Januar-Dekade. Wer z.B. in Hannover wohnt und nichts von McNaught wusste, verpasste auch nichts. Und die Chancen, von McNaught nichts zu wissen, waren recht gut, zumindest bis zum Abend des 09.01.2007. Bis dahin war C/2006 P1 eigentlich nur in der engeren astronomischen Szene bekannt, und zwar vor allem bei denjenigen, die regelmäßig astronomische Informationsseiten besuchen.
Nun kann man sich natürlich fragen, warum niemand Presse und Fernsehen informiert hatte. Immerhin hatte Daniel Fischer, der bekannte Astro-Journalist, bereits im November auf die Möglichkeit hingewiesen, dass es im Januar zu einer imposanten Kometenerscheinung kommen könnte. Das war nicht nur in seinem englischsprachigen Cosmic Mirror, sondern auch in seinem weit verbreiteten deutschsprachigen Oculum-Newsletter nachzulesen. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Komet zumindest so um die 0. Größenklasse erreichen könnte, war demnach recht hoch. Daraufhin haben wir noch am gleichen Abend eine Seite für McNaught im Kometen.info eingerichtet. Auch Astrocorner publizierte umgehend einen Beitrag.

Doch es blieb ruhig um Komet McNaught. Das lag natürlich auch daran, dass seine Bahn so ungünstig verlief, dass er von Ende Oktober bis Ende Dezember nur sehr gelegentlich unter extremen Umständen beobachtet werden konnte. Die Kometenkenner übten sich jedenfalls in ziemlicher Zurückhaltung. Seit dem legendären Flop mit Kohoutek im Jahr 1973, der als Jahrhundert-Komet angekündigt zum unscheinbaren Durchschnitts-Kometen wurde, gehört es wohl zu den Urängsten der Experten, sich mit der Ankündigung eines hellen Schweifsterns, der nicht hält, was er verspricht, zu blamieren.
Ende Dezember war McNaught wieder besser zu beobachten und Anfang Januar war eigentlich klar, dass er zumindest in den oben genannten Bereich von 0 mag vordringen würde - und das sollte alle mal reichen, um ihn mit einem Opernglas in der Dämmerung zu erspähen. Doch weder jetzt noch am folgenden Wochenende, als bereits die gesamte amateurastronomische Szene nach Wolkenlücken jagte, um den Kometen zu erspähen, nahmen die Medien Notiz.
Das änderte sich erst am späten Abend des 08.01.07: Martin Wagner hatte C/2006 P1 in der Abenddämmerung fotografiert und seine Digitalbilder an Jörg Kachelmann geschickt, der diese im Wetterbericht der Tagesthemen vorstellte. Wir haben die Sendung nicht gesehen, aber offenbar wurde nicht deutlich genug gemacht, dass jeder diesen Kometen nun sehen kann, andernfalls hätte sich was an den Besucherzahlen im Kometen.info tun müssen. Am 08.01.07 hatte unsere McNaught-Seite 689 Besucher gehabt, und am 09.01.2006 blieben die Zahlen bis zum späten Nachmittag sogar hinter dem Vortag zurück. Erst als an diesem Dienstag gegen 19.15 das Thema McNaught samt eindrucksvollen Fotos in der "Heute"-Sendung des ZDF präsentiert wurde, gingen die Zugriffszahlen binnen 15 Minuten rasant nach oben. Nun war der Komet also wirklich in der Öffentlichkeit angekommen, eher zufällig, denn Auslöser des ZDF-Beitrags waren nicht etwa Pressemitteilungen, sondern Digital-Fotos gewesen, die Amateurastronomen eingereicht hatten.
Am nächsten Tag wachte auch RTL auf und suchte per Rundmail verzweifelt nach Bildern vom Kometen. Im Laufe der Woche gab es noch weitere Beiträge über McNaught in den TV-Nachrichten. Kometenfreie Zone war nach wie vor die Presse; im Bonner General-Anzeiger ist bis heute kein Beitrag zu McNaught erschienen, obwohl die Volkssternwarte Bonn eine ausführliche Infoseite zum Kometen unterhielt. Immerhin, das regionale Boulevard-Blatt nahm sich des Schweifsterns am 13.01.07 an und wies in einem grausam recherchierten Artikel auf die Sichtbarkeit in der Dämmerung hin - etwas zu spät ...

Doch kann man nicht den Medien alleine den Vorwurf machen, gefragt sind vielmehr diejenigen, die auf rechtzeitige Pressemitteilungen verzichtet haben. Man sollte bedenken, dass das Interesse auch an einem "kleinen" Kometen, wie es z.B. vor 2 Jahren Machholz war, riesengroß ist. Ich erinnere mich noch genau, wie gut besucht im Januar 2005 ein Beobachtungsabend der Volkssternwarte Bonn war - die meisten waren nur gekommen, um Komet Machholz gezeigt zu bekommen. An McNaught hätten sich viele Nicht-Astronomen und Naturbeobachter genauso erfreut, selbst wenn er nur als Nebelfleckchen im Fernglas zu sehen gewesen wäre.

Vielleicht sollte man Kriterien ausarbeiten, bei deren Erfüllung dann "Kometen-Alarm" in den Medien ausgelöst wird; d.h., wenn eine gewisse Wahrscheinlichkeit besteht, dass in Kürze ein Komet mit bloßem Auge sichtbar wird, läuft die Pressearbeit an. Ein gelegentlicher Fehlalarm muss eben in Kauf genommen werden - Kometen sind nun einmal unberechenbare Wesen ...

Montag, 15. Januar 2007

Eintrag für den 14. Januar 2007




Von 12 Uhr bis Sonnenuntergang gegen 17 Uhr habe ich heute bei schönem und erneut recht mildem Wetter nach McNaught Ausschau gehalten - vergeblich! Und nicht nur mir ist es so ergangen, wie eine Durchsicht der Foren am Abend ergibt. Zwar mutmaßen einige gleich, der Komet sei schwächer geworden; einer fragt scherzhaft, ob er vielleicht über Nacht in die Sonne gefallen sei. Die wahre Ursache ist aber wieder einmal das Wetter. Die Luft ist ziemlich feucht und das bedeutet geringe Transparenz und große Lichtstreuung. Rund um die Sonne gibt es einen mindestens 10 Grad durchmessenden Bereich, in dem der Himmel nicht blau, sondern milchig-weiß erscheint - da hat McNaught keine Chance. Deshalb gelingen heute nur wenige Beobachtungen und noch weniger Fotos. 2 oder 3 Beobachter erwischen ihn sogar noch bei Sonnenuntergang, obwohl er bereits wenige Minuten später selber unter den Horizont sinkt. In Bonn glückt auch das nicht. Wie schlecht die Transparenz ist, merke ich auch daran, dass die Venus selbst im Fernglas erst eine ganze Weile nach Sonnenuntergang aufzuspüren ist. Bei wirklich klarem Himmel sieht man sie unmittelbar nach Verschwinden der Sonne bereits mit bloßem Auge. Ich nutze die Gelegenheit, um auf dem Messdorfer Feld eine ganze Reihe von Dämmerungsfotos (Beispiel s.o.) zu machen, mit und ohne Venus. Als ich kurz vor 18 Uhr den Heimweg antrete, sind alle Zirren vom Himmel verschwunden, bis zum Horizont ist es vollkommen klar - zuletzt hatten wir das am Neujahrsabend (s. erster Blog-Eintrag). Warum konnte es nicht in der vergangenen Woche einen solchen Abend geben?