Zur Zeit ist es sehr interessant, die Entwicklung der beiden Kometen Lemmon (C/2012 F6) und Panstarrs (C/2011 L4) zu verfolgen und zu vergleichen. Beide werden den sonnennächsten Punkt ihrer Bahn im März 2013 erreichen und beide werden im Laufe des Februars für Beobachter auf der Südhalbkugel mit bloßem Auge sichtbar werden. Lemmon hat zur Zeit eine Helligkeit von etwa 7.0 mag, während Panstarrs auf etwa 7.7 mag geschätzt wird. Im Teleskop bieten sie ein sehr unterschiedliches Erscheinungsbild. Lemmon macht seinem Namen alle Ehre und präsentiert sich mit einer giftgrünen Koma nebst einem schmalen Schweif. Dagegen besitzen bei Panstarrs sowohl die Koma als auch der eher breite und kurze Schweif eine schwach gelbliche Färbung. Lemmons Helligkeit nimmt seit 7 Wochen rapide zu, während Panstarrs sich zögerlicher entwickelt. Den Ursachen für die unterschiedliche Färbung und Helligkeitsentwicklung der beiden Schweifsterne gehen wir im Folgenden etwas auf den Grund.
Beide Kometen sind langperiodisch; die Umlaufzeit von Lemmon wurde zu etwa 11000 Jahren bestimmt, während sie für Panstarrs nicht bekannt ist. Seine Bahn wurde formal als hyperbolisch berechnet; in Wirklichkeit wird es sich um eine unglaublich lang gestreckte Ellipse handeln, deren Exzentrität (e) nur eine Winzigkeit kleiner als 1 ist. Die Unmöglichkeit den Wert für e genau zu bestimmen, ist typisch für Kometen, die erstmals aus der Oortschen Wolke ins innere Sonnensystem gelangen. Dagegen ist Lemmons Umlaufzeit - so lang sie uns auch erscheinen mag - viel zu kurz, als dass das Aphel seiner Bahn auch nur in der Nähe der Oortschen Wolke liegen kann. Er ist also in der Vergangenheit bereits mindestens einmal, nämlich gegen Ende der letzten irdischen Eiszeit, in Sonnennähe gelangt. Dagegen ist Panstarrs aller Wahrscheinlichkeit nach ein Erstbesucher. Bevor er sich auf seinen Weg Richtung Sonne gemacht hat, verbrachte er Jahrmilliarden in der Oortschen Wolke. In dieser Zeit langen Zeit haben sich Atome, Ionen und Moleküle aus dem interstellaren Raum in beträchtlicher Menge auf seiner Oberfläche abgesetzt und sind dort bei Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt festgefroren. Doch schon durch eine geringe Erwärmung können diese als "Volatile" bezeichneten Substanzen wieder sublimieren. Dies ist der Grund, warum Erstbesucher wie Panstarrs bereits in relativ großer Entfernung von der Sonne eine recht beachtliche Koma ausbilden und dadurch frühzeitig entdeckt werden können. Durch die mit abnehmender Sonnenentfernung zunehmende Erwärmung ist der Vorrat an Volatilen bald verbraucht, typischerweise in einer Sonnenentfernung von etwa 1.5 AE. Dies führt zu der für Erstbesucher charakteristischen Stagnation der Helligkeitsentwicklung. Allerdings sublimieren jetzt zunehmend die seit der Entstehung vor 4.5 Milliarden Jahren im Kern eingeschlossenen Gase. Und nur deren Freisetzungsrate entscheidet darüber, wie sich der Komet schließlich in der Zeit um sein Perihel entwickeln wird. Auf Komet Panstarrs bezogen bedeutet dies, dass die Helligkeitsentwicklung, die wir bis zum Herbst 2012 beobachtet haben, ganz überwiegend durch die Volatilen auf seiner Oberfläche bestimmt war. Daraus wurden allerdings die z.T. sehr optimistischen Helligkeitsprognosen abgeleitet, welche 2011 und 2012 veröffentlicht wurden, Aber erst jetzt, im Januar 2013, zeigt Panstarrs uns die tatsächliche, durch die Struktur seines Kerns bedingte Aktivität und wir können zuverlässiger vorhersagen, wie er sich den neugierigen Beobachtern im März präsentieren wird.
Schauen wir uns nun zum Vergleich Komet Lemmon an. Er hat die Volatilen auf seinem Kern bereits bei einer früheren Annäherung an die Sonne zumindest weitgehend verloren. 11000 Jahre sind eine viel zu kurze Zeit, um erneut nennenswerte Menge an Volatilen einzusammeln und somit bereits weit entfernt von der Sonne eine beachtliche Koma zu entwickeln. Bezeichnenderweise wurde Lemmon erst 10 Monate nach Panstarrs entdeckt. Auch bei ihm hat man aus den frühen Beobachtungen Helligkeitsprognosen abgeleitet, welche auf eine maximale Helligkeit von etwa 9 mag zur Zeit des Perihels hindeuteten. Doch für Lemmon gilt das gleiche wie für Panstarrs (und natürlich alle anderen Kometen): erst bei stärkerer Annäherung an die Sonne zeigt sich die wahre Aktivität des Kerns. Und die ist in diesem Fall recht groß. Offenbar werden durch Sublimation große Mengen an Gasen freigesetzt, welche sich in der Koma sammeln. Durch die harte UV-Strahlung der Sonne werden diese ionisiert und/oder angeregt. Die Anregung von Kohlenmonoxid, Dicarbon und Cyanwasserstoff führt zur Abgabe des farbigen Lichts, dem die Koma und auch der inzwischen deutlich entwickelte schmale Gasschweif ihre "Lemmon"-Farbe verdanken.
Wie bei den meisten Kometen dominiert auch bei C/2012 F6 vor dem Perihel die Gasproduktion. Einen nennenswerten Staubschweif wird er wohl erst kurz vor und vor allem kurz nach der Perihelpassage entwickeln - wenn überhaupt. Viele Kometen - als klassische Beispiele seien Kohoutek und Hyakutake genannt - erwiesen sich als staubarm. Gut möglich also, dass Lemmon sein Aussehen in den kommenden Monaten gar nicht so sehr ändern wird.
Im Vergleich zu C/2012 F6 scheint Panstarrs eher ein untypischer Komet zu sein. Aktuelle Aufnahmen zeigen die blassgelbe Farbe von an Staub reflektiertem und gestreutem Sonnenlicht. Offenbar ist die Staubproduktion jetzt bereits so groß, dass sie das Eigenleuchten der zweifelsohne vorhandenen Gase überdeckt. Was wir auf den Panstarrs-Fotos sehen ist dementsprechend auch kein Gasschweif, sondern ein Staubschweif. Für die unerwartet starke Staubproduktion sind im Prinzip zwei Ursachen denkbar. Entweder löst der Kern des Kometen sich gerade auf bzw. teilt sich oder aber - wahrscheinlicher - Panstarrs ist ein extrem staubreicher Komet. Wenn letzteres der Fall ist, könnte er um die Zeit seines Perihels einen enormen Staubschweif ausbilden und ein eindrucksvolles Himmelsschauspiel bieten, etwa so wie der ebenfalls staubreiche Komet Bennett im Frühjahr 1970. Dabei spielt dann die in den Prognosen stets angegebene Helligkeit des Kometenkopfes keine sonderliche Rolle, sondern es gilt das abgewandelte Zitat eines früheren US-Präsidenten: "The tail it's stupid".
Es wird auf jeden Fall spannend sein, die Entwicklung des ungleichen Kometenpaars weiter zu verfolgen, auch wenn wir dabei auf Fotos von der Südhalbkugel der Erde angewiesen sind.
Dienstag, 22. Januar 2013
Dienstag, 8. Januar 2013
2013 - Das Jahr der Kometen
"2013 - Das Jahr der Kometen" ist ein griffiger Slogan, dem sich auch der Autor dieser Zeilen nicht entziehen kann.
Ich habe ihn als Titel für einen Vortrag gewählt, den ich am 20.01.13 beim Bonner Planetenseminar und am 23.02.13 beim ATH in Hückelhoven halten werde. Die Chancen, dass neben Komet ISON (C/2012 S1) im November/Dezember bereits im März mit Panstarrs (C/2011 L4) ein weiterer Komet mit bloßem Auge zu beobachten sein wird, stehen ausgesprochen gut. Wie hell diese beiden Objekte tatsächlich werden, lässt sich jedoch erst wenige Wochen vor Ihrem Perihel einigermaßen zuverlässig abschätzen. Unser Tipp ist, dass ISON an McNaught (C/2006 P1), den Großen Kometen des Jahres 2007, heranreichen könnte - mit dem Unterschied, dass wir auf der Nordhalbkugel diesmal in der ersten Reihe sitzen. Letzteres gilt auch für Komet Panstarrs, der sich in der Abenddämmerung vielleicht ähnlich wie Lovejoy (C/2011 W3) Ende 2011 präsentieren wird, allerdings mit einem kürzeren Schweif.
Zwei Große Kometen binnen eines Jahres sind sicherlich nicht allzu oft zu beobachten. Es ist aber allein im 20. Jh. dreimal passiert, nämlich 1910 (Januarkomet C/1910 A1 und 1P/Halley), 1957 (Arend-Roland C/1956 R1 und Mrkos C/1957 P1) sowie 1970 (Bennett C/1969 Y1 und White-Ortiz-Bolleli C/1970 K1). Letztgenanntes Jahr brachte mit Tago-Sato-Kosaka (C/1969 T1) und Abe (C/1970 N1) noch zwei schwächere, ebenfalls mit bloßem Auge sichtbare Schweifsterne. 1970 war also in der Tat ein Jahr der Kometen, genauso wie 2004. Zunächst traten im April/Mai fast gleichzeitig die Kometen NEAT (C/2001 Q4) , LINEAR (C/2002 T7) und Bradfield (C/2004 F4) auf, dann folgte zum Jahresende Machholz (C/2004 Q2). Keiner von Ihnen wurde allerdings heller als 2.2 mag. Die beiden letztgenannten waren Anfang 2004 noch gar nicht entdeckt. Es ist also zum jetzigen Zeitpunkt keinesfalls auszuschließen, dass auch 2013 ein kometenreiches Jahr wird. Abgesehen von möglichen Neuentdeckungen sind zum jetzigen Zeitpunkt bereits zwei weitere Kometen unter Beobachtung, die vielleicht mit bloßem Auge sichtbar werden könnten.
Der erste Kandidat ist C/2012 T5 (Bressi). Er wird sein Perihel am 24.02.2013 durchlaufen. Nach den derzeitigen Ephemeriden könnte er dann mit einer Helligkeit von etwa 7mag ein Feldstecherobjekt werden. Allerdings handelt es sich bei Bressi um einen Schweifstern mit sehr geringer absoluter Helligkeit. Die Erfahrung lehrt, dass die Kerne solcher Objekte sich oft um die Zeit des Periheldurchgangs auflösen. So ist es im September 2011 Komet Elenin (C/2010 X1) ergangen, dessen Kern sang- und klanglos zu Staub zerfiel. Häufiger als der Totalzerfall kommt die Teilung des Kerns in 2 oder mehrere Bruchstücke vor. Beispiele dafür sind die Kometen C/2006 M4 (SWAN) und C/2001 A2 (LINEAR). Bei beiden zogen die Teilungsprozesse Helligkeitsausbrüche von mehreren Magnituden nach sich, wodurch sie überhaupt erst mit bloßem Auge sichtbar wurden. Da nun auch Komet Bressi ein ernsthafter Kernteilungskandidat ist, könnte aus dem Feldstecherobjekt plötzlich durchaus ein mit bloßem Auge sichtbarer Schweifstern werden. Allerdings ist er in Mitteleuropa erst wieder Anfang März am Morgenhimmel sichtbar.
Etwas anders ist die Situation bei Komet Lemmon (C/2012 F6). Er ist zur Zeit 2 - 3 Größenklassen heller als von den Ephemeriden prognostiziert. Hält dieser Trend an, so wird er um die Zeit seines Periheldurchgangs Ende März 2. oder 3. Größe erreichen, also bequem mit bloßem Auge sichtbar sein. Leider werden wir davon nichts haben, weil C/2012 F6 dann soweit südlich steht, dass er in Mitteleuropa nicht über den Horizont kommt. Die zur Zeit gute Helligkeitsentwicklung gibt allerdings auch Grund zum Misstrauen, denn sie entspricht dem klassischen Szenario "neuer" Kometen, welche erstmals aus der Oortschen Wolke ins innere Sonnensystem gelangen. Auf eine zunächst überdurchschnittliche Helligkeitsentwicklung folgt bei einer kritischen Sonnendistanz von etwa 1,5 AE oft eine Stagnation oder sogar ein Einbruch der Helligkeit. Wenn Lemmon Anfang Februar diese Distanz deutlich unterschritten hat, wird man mehr sagen können.
Ganz gleich, wieviele Kometen 2013 tatsächlich mit bloßem Auge sichtbar sein werden - es wird auf jeden Fall ein spannendes Jahr der Kometen.
Sonntag, 12. Dezember 2010
Lichtecho: Goodbye Hartley 2
Lichtecho: Goodbye Hartley 2: "Leider ist mir der Komet 103P/Hartley 2 irgendwie entgangen. Mal hatte ich keine Zeit, mal war das Wetter nicht danach. Jetzt hat die Hellig..."
Freitag, 28. Dezember 2007
Ein alter Bekannter
Über zwei Monate sind jetzt seit dem großen Helligkeitsausbruch von Komet Holmes vergangen, und immer noch ist er mit bloßem Auge erkennbar, zumindest in mondlosen Nächten (die jetzt wieder anstehen) und an dunklen Orten, wie z.B. im Siebengebirge bei Bonn, wo Daniel Fischer den Kometen beobachtet. Für uns Städter ist die Show definitiv vorbei ... obwohl man da vorsichtig sein sollte; schließlich könnte es ja wie 1892/93 noch eine weiteren Helligkeitsausbruch geben.
Beim letzten Blogeintrag hatte ich eine Bemerkung zu den wieder ansteigenden Besucherzahlen gemacht. Just danach stiegen sie ganz gewaltig an. Die Ursache dafür war bald ausgemacht: der zweite Beitrag von Spiegel Online hatte die Aufmerksamkeit einiger TV-Sender erregt, die dann entsprechende Beiträge ausstrahlten. Zahlreiche Zeitgenossen wurden offenbar dadurch überhaupt erst auf Holmes aufmerksam - einen Monat nach seinem Erscheinen. Und was wir bereits bei McNaught erlebt hatten, wiederholte sich: viele, die die Fernsehberichte gesehen hatten, informierten sich jetzt im Internet weiter. Und da unsere Holmes-Seite zu diesem Zeitpunkt bereits auf Platz 3 bei Google stand, hatten wir entsprechende Besucherzahlen. Die gingen zwar nach einiger Zeit wieder deutlich zurück, blieben aber bis Weihnachten auf einem Niveau von etwa 500 pro Tag. Offenbar wird vor allem die umfangreiche Sammlung von Foto-Links geschätzt.
Apropos Foto: wir haben inzwischen eine ganze Menge qualitativ hochwertiger Fotos des Kometen zugesendet bekommen, worüber wir uns natürlich sehr freuen. Mit der hauseigenen Digitalkamera können wir selber leider nicht allzu eindrucksvolle Bildbeiträge produzieren, wie an dem Foto oben unschwer zu erkennen ist.
Nach 2 Monaten hat man sich an Holmes gewöhnt, er ist fast schon so, als sei er immer da gewesen. Ein alter Bekannter eben, bei dem man von Zeit zu Zeit vorbei schaut, ob es ihm noch gut geht.
Nur die Profis bleiben jetzt noch durchgehend am Ball. Am 24.11. lieferte Flickr zu "Comet Holmes" bereits 1211 Treffer, seitdem sind "nur" 204 weitere hinzu gekommen. Anders bei den Youtube-Videos: aus damals 93 sind nun immerhin 148 geworden. Die Galerie bei Spaceweather ist von 21 auf 25 Seiten angewachsen.
Das wesentliche und für jeden offensichtliche Merkmal des Kometen Holmes ist die enorme Expansion seiner Koma. Die Anzahl der Fotomontagen, die 17p zusammen mit dem Mond als Größenvergleich zeigen, ist nicht gerade gering. Sehr beliebt sind auch Animationen oder Montagen, welche die Entwicklung der Koma dokumentieren. Nun hat ein einzelner Beobachter immer das Problem, dass nicht jede Nacht klaren Himmel bringt. Deshalb hatte ein russische Amateurastronom bereits Anfang November begonnen, Fotos zahlreicher Beobachter zu sammeln, um so die Entwicklung der Koma lückenlos von Tag zu Tag dokumentieren. Sein Projekt hat inzwischen beachtliche Fortschritte gemacht, die man sich auf der Seite "Cosmos Motion" anschauen kann.
Samstag, 24. November 2007
Ein Monat Komet Holmes
Einen Monat ist es nunmehr her, seit Komet Holmes sozusagen
über Nacht auf der Bildfläche erschienen ist. Was damals wohl nur die
wenigsten dachten: er ist immer noch mit bloßem Auge sichtbar, wenn die
Wolken denn einmal Platz machen. Im Moment stört auch der helle
Vollmond, der nicht allzu weit von Holmes entfernt
durch das Sternbild Stier wandert. Deswegen erscheinen in den letzten
Tagen weniger Fotos und auch die Aktivität in den Mailinglisten hat
stark nachgelassen. Dass das Interesse an dem seltsamen Schweifstern
dennoch ungebrochen ist, beweisen die seit gestern wieder stark
anziehenden Besucherzahlen auf Kometen.info. Es kann natürlich auch
sein, dass unsere Seite irgendwo empfohlen wurde. Wie dem auch sei, nach
4 Wochen mit Holmes ist es Zeit für einen ersten Rückblick.
Öffentliche Beobachtungen
Wahrscheinlich
haben zahlreiche Sternwarten und astronomische Vereine im
deutschsprachigen Raum öffentliche Beobachtungen angeboten und genauso
wahrscheinlich sind viele an den zumeist ungünstigen
Witterungsverhältnissen gescheitert. Ich habe das ehrlich gesagt nicht
verfolgt. In Wien hat die WAA an einem Abend mitten in der Stadt ein
paar Teleskope aufgebaut, was natürlich eine gewisse Aufmerksamkeit
erregt hat (http://www.waa.at/bericht/2007/11/20071105api21.html).
Hier in Bonn bietet die Volkssternwarte bei klarem Wetter jeden Montag
im Anschluss an die Bibliotheksöffnung Sternbeobachtung für jedermann
an. Leider war es an den 4 Montagen, die seit dem Erscheinen von Holmes vergangen
sind, jedesmal bewölkt. Gleiches galt auch für die erste Veranstaltung
"Bonner Sternenhimmel" in dieser Wintersaison, die am 16.11.07
vorgesehen war. So bot der Tag der offenen Tür am 28.10.07 bislang
tatsächlich die einzige Möglichkeit, den Kometen dem Bonner Publikum
durchzuführen.
Mailinglisten
Die internationalen Mailinglisten zum Thema Kometen (Verzeichnis)
konnten sich in den letzten Wochen über mangelnde Aktivität wahrlich
nicht beklagen. Hier wurden auch die diversen Hypothesen über die
Ursachen des Helligkeitsausbruchs erörtert. Bizarr wurde es auf der
Comets ml, als alles auf die Bilder des Hubble Space Telescope wartete.
Einige äußerten den Verdacht, dass das HST nicht auf den Kometen
gerichtet würde, weil Fotos für Examensarbeiten Vorrang hätten, und die
seien doch nicht so wichtig. Letzteres kann man natürlich auch anders
sehen. Irgendwie war plötzlich ein Misston drin, der in offenen
Anfeindungen einiger Teilnehmer gipfelte, die sich wechselseitig
vorwarfen, vom Wissenschaftsbetrieb mehr oder weniger keine Ahnung zu
haben. Es dauerte etwas, bis sich die Wogen geglättet hatten. Natürlich
war das HST auf den Kometen ausgerichtet worden, doch wer sich von den
Bildern die Lösung des Rätsels um 17p versprochen hatte, wurde
enttäuscht. Mal abgesehen von all dem Staub in der Koma ist das HST
schon vom Auflösungsvermögen überhaupt nicht in der Lage, den Kern des
Kometen zu beobachten. Der misst etwa 3 - 4 Kilometer und befindet sich
in einer Entfernung von der Erde, in der das Teleskop Einzelheiten mit
einem Durchmesser unter 56 Kilometern überhaupt nicht auflösen kann.
Holmes im Web
Auf den astronomischen Webseiten hat Holmes eine
Durchdringung von nahezu 100% erreicht. Alle Info-Portale haben einen
oder mehrere Beiträge gebracht und die Fotogallerie auf Spaceweather ist
inzwischen bei 21 Seiten angelangt. In 4 Wochen hatte natürlich jeder
irgendwann mal klaren Himmel und die Gelegenheit, das Teleskop oder
einfach nur die Digitalkamera auf Holmes zu richten. So ist 17p logischerweise inzwischen auf unzähligen privaten Webpages präsent. Auch Kometen.info
hat eine Reihe von Foto-Zusendungen erhalten. Wir mussten die Seite
mehrmals umstrukturieren, um einerseits die Fotos präsentieren zu können
und andererseits die Seitengröße in einem zumutbaren Rahmen zu halten.
Wie üblich verfolgen wir auf Kometen.info die aktuellen Entwicklungen
und aktualisieren die Seite zu 17p mindestens einmal täglich. Wer
wirklich detaillierte Updates auch zur aktuellen Diskussion und Hinweise
auf besonders interessante Fotos haben wollte, war beim Cosmic Mirror wie üblich bestens aufgehoben.
Noch ein Blick auf das Web 2.0:
Flickr liefert zu "Comet Holmes" aktuell 1211 Ergebnisse (http://www.flickr.com/search/?q=comet+holmes), alleine in unserer Flickr-Gruppe sind inzwischen 120 Fotos eingestellt worden, die Mitgliederzahl liegt bei 52. Die Videosuche bei Youtube erbringt zu "Comet Holmes" immerhin 93 Treffer.
Komet Holmes in den Medien
Diesmal
waren die Medien richtig schnell; noch am 24.10. hatte es eine
Presseinformation aus dem Vorstand der VdS gegeben, und die war auf
fruchtbaren Boden gefallen. Am 25.10. war Holmes in Zeitung und Fernsehen voll präsent. Ob nun Absicht oder nur Missverständnis - die Schlagzeile "Komet Holmes ist so hell wie der Mond" war zwar sachlich unzutreffend, aber immerhin ein Blickfänger; hervorragend hingegen der erste Beitrag von Spiegel Online, der Titel Unheimlicher Komet schon doppelt so groß wie die Sonne
eines späteren Artikels war weniger gelungen; immerhin wurde dann im
Text erläutert, dass der unheimliche Komet uns nicht auf den Kopf
fallen wird. Martin Wagner hat es am 28.10.07 wieder geschafft, eines seiner Fotos in den Tagesthemen zu platzieren (Screenshot).
Komet Holmes am Himmel
Einen Helligkeitsausbruch in der Größenordnung wie bei Holmes hat
es in der Geschichte der Astronomie wohl noch nie gegeben. Dass das
Interesse der Fachwelt und der Amateurastronomen in höchstem Maße
geweckt ist, ist daher verständlich. Aber auch für die Öffentlichkeit
bot Holmes etwas. In den ersten 2 Wochen war er selbst aus dem
Lichtermeer der Städte heraus mit bloßem Auge sichtbar, das Wort vom
"Urban Comet" machte die Runde. Aber natürlich war sein Erscheinungsbild
- zumal es ihm am Schweif mangelt - bei weitem nicht so spektakulär wie
das von Hyakutake oder Hale-Bopp. Und auch McMaught
machte nach dem 10. Januar - wenn man ihn denn zwischen den Wolken
einmal sehen konnte - mehr her. Das Problem ist zudem, dass man sich
etwas am Himmel orientieren können muss, um ein eher mittelprächtiges
Objekt wie Holmes aufzufinden. Man kann sagen, dass das Interesse an Holmes in nichtastronomischen Kreisen durchaus mit seiner Helligkeit korrelliert - eben mittelmäßig.
Unser Holmes
Kometen.info hat wie bei McNaught wieder
positive Resonanz gefunden, zwischenzeitlich wurde allerdings die lang
gewordenen Ladezeit kritisiert. Wir haben mit eine Reduktion der
Bildgrößen und dem Verzicht auf die Werbebanner reagiert. Letztere
wurden durch Textlinks ersetzt. Bemerkenswert war allerdings, dass die
Kritik aus einem Astronomieforum kam, dessen Threads mit unkomprimierten
Bildern überfrachtet sind - Einzelseiten mit 10 Postings haben da oft
eine Dateigröße von 1 mb und niemanden scheint es zu stören. Irgendwann
haben wir auch einen Telefonanruf zu Holmes erhalten. Die Dame
war etwas merkwürdig und nach einigen Minuten stellte sich dann heraus,
dass es sich um eine recht abgedrehte Esoterikerin handelte, die in 17p
wohl mehr sieht als einen Staubklumpen. Ob sie da oben nun eine Basis
der Exoterresten vermutet, habe ich nicht mehr in Erfahrung bringen können, weil ich vorher aufgelegt habe.
Montag, 5. November 2007
Chat zu Komet Holmes
Chat zu Komet Holmes am Mittwoch, 07.11.2007, 20.00 Uhr MEZ unter:
http://www.kometen.info/cgi-bin/webchat.php.cgi?showlogin=1&nopopup=1
Kometen - immer für eine Überraschung gut
Nachdem McNaught seine große Show abgeliefert hatte, wartete die Astro-Gemeinde natürlich auf den nächsten hellen Schweifstern. Für Dezember 2007 angekündigt ist der periodische Komet Tuttle (8p), der einen ganz netten, aber eher bescheidenen Auftritt verspricht. Immerhin, mit etwas Glück könnte er als Nebelfleckchen mit bloßem Auge sichtbar werden.
Dann entdeckte Terry Lovejoy am 15.03.2007 auf Fotos, die er mit einer Digitalkamera (ohne Teleskop!) gemacht hatte, einen verwaschenen grünlichen Fleck, der sich als neuer Komet entpuppte. Der Fund wurde am nachfolgenden Abend durch John Drummond in Neuseeland bestätigt. Der Schweifstern, der die Bezeichnung C/2007 E2 erhielt, hatte zu diesem Zeitpunkt bereits eine Helligkeit von 9.5 mag; es ist daher durchaus überraschend, dass er nicht früher entdeckt worden war.
Bald lagen dann auch Ephemeriden für Komet Lovejoy vor. Demnach sollte C/2007 E2 im Laufe des März / April steil nach Norden wandern, am 25.04.2007 seine geringste Entfernung zur Erde erreichen und eventuell mit bloßem Auge sichtbar werden. Doch da es sich offenbar um ein sehr kleines Objekt handelt, wurde er letztlich aber nicht heller als etwa 7.5 mag - immerhin ein Feldstecherobjekt.
Mehr als ein Feldstecherobjekt sollte auch Komet LONEOS (C/2007 f1) nicht werden, zumal er nur in der Dämmerung sichtbar sein würde, wenn auch unter etwas günstigeren Bedingungen als McNaught. Anfang Oktober stellte sich heraus, dass seine Helligkeit größer war als prognostiziert. Am 16./17.10.07 hatte er nach Meldungen verschiedener Beobachter eine Helligkeit von ca. 6.0 mag; in Irland gelang unter optimalen Bedingungen eine Sichtung mit bloßem Auge. In den folgenden Tagen näherte sich LONEOS immer mehr dem Horizont, sodass er auch mit einem Fernglas nur unter optimalen Bedingungen auffindbar war. Wir selber sind am Abend des 24.10.07 in Bonn am horizontnahen Dunst gescheitert, in dem mit Feldstecher nur Sterne bis zur 4. Größe sichtbar waren.
Ende Oktober 2007 hatte LONEOS eine Helligkeit von 5.2 mag erreicht, doch da war seine Sichtbarkeitsperiode in mittleren nördlichen Breiten bereits beendet. Freilich interessierte sich zu diesem Zeitpunkt niemand mehr für LONEOS, denn am 24.10.2007 war wie aus dem Nichts Komet Holmes aufgetaucht.
Am Nachmittag des 24.10.2007 hatte ich in Kronberg bei Frankfurt an einer Besprechung teilgenommen, bei der es u.a. um die Präsentation astronomischer Events wie z.B. der MoFi am 21.02.2008 oder der totalen SoFi in China am 01.08.2008 ging. Das zog sich so bis 20.30 Uhr hin. Da ich hungrig war, habe ich dann an der Raststätte Bad Camberg zu Abend gegessen. Erst gegen 23.00 Uhr war ich wieder in Bonn. Ich habe meine Emails abgefragt, ein paar Sachen erledigt, die tagsüber liegengeblieben waren und wollte zum Schluss noch schnell die astronomischen News abfragen - in der sicheren Erwartung, dass da heute nichts wesentliches passiert war. Natürlich wollte ich auch wissen, was LONEOS machte. Als ich den Cosmic Mirror schaute, dauerte es ein paar Sekunden, bis ich realisiert hatte, dass die folgende Schlagzeile sich nicht auf LONEOS bezog:
"Incredible comet eruption: from under 17th to 3rd magnitude in hours!" Der nachfolgende Text hätte auch aus einem Science Fiction-Roman stammen können. Aber es bestand kein Zweifel: binnen Stunden war ein neuer heller Komet aufgetaucht.
Es wurde dann eine lange Nacht, denn nun musste eine komplette neue Seite für das Kometen.info erstellt werden. Außerdem wollten Wikipedia und Astronation versorgt werden. Ferner war auch hier in Bonn Handlungsbedarf, da am 28.10. Tag der Offenen Tür bei der Volkssternwarte Bonn war, inklusive einer Sternführung Also wurde eine Email folgenden Inhalts an einige Vorstandsmitglieder gesendet:
Vielleicht habt Ihr ja schon von der Sensation am Sternenhimmel gehört: im Perseus gibt es einen "neuen" Stern oder genauer einen Kometen, der durch einen ebenso rätselhaften wie gewaltigen Helligkeitsausbruch binnen 24 Stunden von der 16. auf die 3. Größenklasse angewachsen ist (aktuell: 2.5 mag). Wenn ich die Diskussionen in den internationalen Mailinglisten richtig interpretiere, wird der wohl noch ein paar Tage auf ähnlichem Niveau bleiben (zur Zeit wird er sogar noch ganz leicht heller). Ich hab in nächtlicher Stunde gerade eine Infoseite gebastelt:
http://www.kometen.info/17p.htm . Dort gibt es auch weiterführende Links. Selbst wenn der Komet keine Schweif hat, wäre er natürlich für die Sternführung am Sonntag ein Knüller. Das Wetter soll ordentlich werden ...
Vielleicht erst einmal eine Pressemitteilung an GA und Rundschau am heutigen Donnerstag?! Es sollte dann auch einen kurzen Einführungsvortrag dazu geben - ich verzichte dafür gerne auf die atmosphärischen Phänomene, weil das aktuelle Ereignis m.E. für die Öffentlichkeit viel spannender ist. Auf jeden Fall wäre es schade, dieses himmlische Geschenk nicht für die Öffentlichkeitsarbeit zu nutzen. Ich erinnere mich noch gut, welcher Andrang bei dem Sternabend herrschte, als der viel unscheinbarere Machholz gezeigt wurde.
Die Kometenaktion beim Tag der offenen Tür war denn auch ein voller Erfolg, einen kurzen Bericht davon gibt es bei Astronation.
Kometen sind immer für Überraschungen gut - und erfordern manchmal ziemlich viel Flexibilität ...
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