Samstag, 9. November 2013

Lovejoy und Lemmon - die grünen Kometen

Im Januar hatte ich hier im Blog "2013 - das Jahr der Kometen" getitelt. Damals bestand die berechtigte Aussicht, dass 2013 drei mit bloßem Auge sichtbare Schweifsterne bringen würde. Wenn auch Panstarrs (C/2011 L4) nicht der erhoffte Große Komet wurde, so entwickelte er sich dennoch zu einem hoch interessanten Objekt. Fotos seines reich strukturierten Staubschweifs werden ihren Weg in zahlreiche Lehrbücher finden. Das gilt vielleicht auch für Lemmon (C/2012 F6), welcher das Musterbeispiel eines Gaskometen darstellte. Zunächst auf der Südhalbkugel, zum Sommer hin dann in nördlichen Breiten entwickelte der Grünling sich zum absoluten Liebling der Fotografen. Ob Ison (C/2012 S1) überhaupt mit bloßem Auge zu sehen sein wird ist selbst jetzt, knapp 3 Wochen vor seinen Periheldurchgang, noch völlig unklar. Während sich die Aufmerksamkeit nicht nur der astronomischen Welt völlig auf den vorgeblichen "Jahrhundert-Kometen" konzentrierte, fand der Australier Terry Lovejoy, Entdecker des berühmten Sungrazers C/2011 W3 (Lovejoy), am 07.09.2013 seinen vierten Kometen, der sich bald auch als vierter bedeutender Komet des Jahres 2013 erweisen sollte. Für C/2013 R1 (Lovejoy) wurde umgehend eine Ephemeride publiziert, welche ihn im Optimum seiner Entwicklung Ende November 2013 als Objekt 8. Größe sah. Doch der neue Schweifstern entpuppte sich rasch als ein Wiedergänger des Frühjahrskometen Lemmon. Wie bei jenem liegt auch bei C/2013 R1 die Helligkeit kontinuierlich etwa 3 Größenklasse über der Prognose. Wie Lemmon ist Lovejoy ein ausgesprochener Gaskomet von auffällig grüner Farbe, welcher seinen erdnächsten Bahnpunkt vor dem Perihel erreicht. Dieses liegt bei beiden Kometen in respektvoller Entfernung (0.73 bzw. 0.81 AE) von der Sonne. War Lemmon sozusagen der (zeitliche) Begleiter für den helleren und staubreicheren Panstarrs, so nimmt Lovejoy diese Rolle in Bezug auf Ison ein. Und wie C/2012 F6 Panstarrs zeitweise die Show stahl, so macht C/2013 R1 dies zur Zeit mit dem vor sich hin dümpelnden Ison. Für Lovejoy wird derzeit fast die gleiche Maximalhelligkeit (etwas heller als 5 mag) erwartet wie sie Lemmon erreichte. Einen wesentlichen und für uns sehr erfreulichen Unterschied gibt es allerdings zwischen den beiden Grünlingen: Lemmon war im Optimum seiner Entwicklung ausschließlich auf der Südhalbkugel sichtbar, während Lovejoy für Mitteleuropäer hervorragend am Morgenhimmel platziert ist. Und dank der jetzt immer später einsetzenden Dämmerung muss man nicht einmal zu extrem unchristlichen Zeiten aufstehen, um in den Genuss dieses ausgesprochen attraktiven Objekts zu kommen.

Ein Segen ist Komet Lovejoy für all die astronomischen Vereinigungen, welche bereits seit Monaten öffentliche Beobachtungen des Kometen Ison geplant haben. Sollte Ison sich in Wohlgefallen auflösen, so zeigt man zu den vorgesehenen Terminen eben Lovejoy.

Über die weitere Entwicklung von C/2013 R1 (Lovejoy) auf dem Laufenden halten kann man sich auf Facebook und auf Kometen.info. Dort gibt es zudem Aufsuchkarten und Links zu den jeweils neuesten Fotos.

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