Montag, 5. November 2007

Kometen - immer für eine Überraschung gut



Nachdem McNaught seine große Show abgeliefert hatte, wartete die Astro-Gemeinde natürlich auf den nächsten hellen Schweifstern. Für Dezember 2007 angekündigt ist der periodische Komet Tuttle (8p), der einen ganz netten, aber eher bescheidenen Auftritt verspricht. Immerhin, mit etwas Glück könnte er als Nebelfleckchen mit bloßem Auge sichtbar werden.

Dann entdeckte Terry Lovejoy am 15.03.2007 auf Fotos, die er mit einer Digitalkamera (ohne Teleskop!) gemacht hatte, einen verwaschenen grünlichen Fleck, der sich als neuer Komet entpuppte. Der Fund wurde am nachfolgenden Abend durch John Drummond in Neuseeland bestätigt. Der Schweifstern, der die Bezeichnung C/2007 E2 erhielt, hatte zu diesem Zeitpunkt bereits eine Helligkeit von 9.5 mag; es ist daher durchaus überraschend, dass er nicht früher entdeckt worden war.
Bald lagen dann auch Ephemeriden für Komet Lovejoy vor. Demnach sollte C/2007 E2 im Laufe des März / April steil nach Norden wandern, am 25.04.2007 seine geringste Entfernung zur Erde erreichen und eventuell mit bloßem Auge sichtbar werden. Doch da es sich offenbar um ein sehr kleines Objekt handelt, wurde er letztlich aber nicht heller als etwa 7.5 mag - immerhin ein Feldstecherobjekt.
Mehr als ein Feldstecherobjekt sollte auch Komet LONEOS (C/2007 f1) nicht werden, zumal er nur in der Dämmerung sichtbar sein würde, wenn auch unter etwas günstigeren Bedingungen als McNaught. Anfang Oktober stellte sich heraus, dass seine Helligkeit größer war als prognostiziert. Am 16./17.10.07 hatte er nach Meldungen verschiedener Beobachter eine Helligkeit von ca. 6.0 mag; in Irland gelang unter optimalen Bedingungen eine Sichtung mit bloßem Auge. In den folgenden Tagen näherte sich LONEOS immer mehr dem Horizont, sodass er auch mit einem Fernglas nur unter optimalen Bedingungen auffindbar war. Wir selber sind am Abend des 24.10.07 in Bonn am horizontnahen Dunst gescheitert, in dem mit Feldstecher nur Sterne bis zur 4. Größe sichtbar waren.

Ende Oktober 2007 hatte LONEOS eine Helligkeit von 5.2 mag erreicht, doch da war seine Sichtbarkeitsperiode in mittleren nördlichen Breiten bereits beendet. Freilich interessierte sich zu diesem Zeitpunkt niemand mehr für LONEOS, denn am 24.10.2007 war wie aus dem Nichts Komet Holmes aufgetaucht.

Am Nachmittag des 24.10.2007 hatte ich in Kronberg bei Frankfurt an einer Besprechung teilgenommen, bei der es u.a. um die Präsentation astronomischer Events wie z.B. der MoFi am 21.02.2008 oder der totalen SoFi in China am 01.08.2008 ging. Das zog sich so bis 20.30 Uhr hin. Da ich hungrig war, habe ich dann an der Raststätte Bad Camberg zu Abend gegessen. Erst gegen 23.00 Uhr war ich wieder in Bonn. Ich habe meine Emails abgefragt, ein paar Sachen erledigt, die tagsüber liegengeblieben waren und wollte zum Schluss noch schnell die astronomischen News abfragen - in der sicheren Erwartung, dass da heute nichts wesentliches passiert war. Natürlich wollte ich auch wissen, was LONEOS machte. Als ich den Cosmic Mirror schaute, dauerte es ein paar Sekunden, bis ich realisiert hatte, dass die folgende Schlagzeile sich nicht auf LONEOS bezog:

"Incredible comet eruption: from under 17th to 3rd magnitude in hours!" Der nachfolgende Text hätte auch aus einem Science Fiction-Roman stammen können. Aber es bestand kein Zweifel: binnen Stunden war ein neuer heller Komet aufgetaucht.

Es wurde dann eine lange Nacht, denn nun musste eine komplette neue Seite für das Kometen.info erstellt werden. Außerdem wollten Wikipedia und Astronation versorgt werden. Ferner war auch hier in Bonn Handlungsbedarf, da am 28.10. Tag der Offenen Tür bei der Volkssternwarte Bonn war, inklusive einer Sternführung Also wurde eine Email folgenden Inhalts an einige Vorstandsmitglieder gesendet:

Vielleicht habt Ihr ja schon von der Sensation am Sternenhimmel gehört: im Perseus gibt es einen "neuen" Stern oder genauer einen Kometen, der durch einen ebenso rätselhaften wie gewaltigen Helligkeitsausbruch binnen 24 Stunden von der 16. auf die 3. Größenklasse angewachsen ist (aktuell: 2.5 mag). Wenn ich die Diskussionen in den internationalen Mailinglisten richtig interpretiere, wird der wohl noch ein paar Tage auf ähnlichem Niveau bleiben (zur Zeit wird er sogar noch ganz leicht heller). Ich hab in nächtlicher Stunde gerade eine Infoseite gebastelt:
http://www.kometen.info/17p.htm . Dort gibt es auch weiterführende Links. Selbst wenn der Komet keine Schweif hat, wäre er natürlich für die Sternführung am Sonntag ein Knüller. Das Wetter soll ordentlich werden ...
Vielleicht erst einmal eine Pressemitteilung an GA und Rundschau am heutigen Donnerstag?! Es sollte dann auch einen kurzen Einführungsvortrag dazu geben - ich verzichte dafür gerne auf die atmosphärischen Phänomene, weil das aktuelle Ereignis m.E. für die Öffentlichkeit viel spannender ist. Auf jeden Fall wäre es schade, dieses himmlische Geschenk nicht für die Öffentlichkeitsarbeit zu nutzen. Ich erinnere mich noch gut, welcher Andrang bei dem Sternabend herrschte, als der viel unscheinbarere Machholz gezeigt wurde. 

Die Kometenaktion beim Tag der offenen Tür war denn auch ein voller Erfolg, einen kurzen Bericht davon gibt es bei Astronation.

Kometen sind immer für Überraschungen gut - und erfordern manchmal ziemlich viel Flexibilität ...

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