Mittwoch, 19. Juni 2013

Rückblick auf Komet Lemmon

Rückblick auf Komet Lemmon

Ein Komet etwas heller als 5. Größe, mit bloßem Auge ein verwaschenes Nebelfleckchen und zudem nur auf der Südhalbkugel sichtbar - dies ist nicht unbedingt ein astronomisches Ereignis, welches in Mitteleuropa Interesse hervorbringt. Wer erinnert sich noch an Komet Boattini (C/2007 W1)? Doch bei Komet Lemmon (C/2012 F6) war es anders. Das lag nicht etwaq daran, dass der am 23.03.2012 entdeckte Schweifstern seit Dezember 2012 beständig etwa 5 Größenklassen heller blieb als ursprünglich erwartet. Es war der Zeitraum seines Auftretens, welcher Lemmon eine ungeahnte Aufmerksamkeit und Popularität verschaffte. Nach der Entdeckung von Komet ISON (C/2012 S1) im September 2012 brach – zum ersten Mal seit 1997 – ein regelrechtes „Kometen-Fieber“ sowohl in der astronomischen Szene als auch in einer breiteren Öffentlichkeit aus. Schließlich versprach nicht nur der neue Schweifstern Ende 2013 extrem hell zu werden, sondern auch der bereits im Juni 2011 entdeckte C/2011 L4 (Panstarrs) hatte das Potential zu einem „Großen Kometen“. In diese Situation platzte nun die Nachricht, dass etwa zur gleichen Zeit wie letztgenannter noch ein weiterer Komet mit bloßem Auge sichtbar sein würde.

Nun hatte Lemmon zudem das „Glück“, dass er bereits einige Wochen vor Panstarrs ein extrem dankbares Objekt für Astrofotografen war. Im Januar 2013 wurden via Internet täglich neue, z.T. großartige Fotos des lemonengrünen Kometen veröffentlicht, der seinem Namen alle Ehre machte. Der Ästhetik seines Erscheinungsbildes konnte sich kaum jemand entziehen. Objektiv gesehen war Lemmon allerdings nur ein weiteres Exemplar in der Reihe der zahlreichen Gaskometen, welche seit Beginn unseres Jahrhunderts erschienen sind und von denen mehrere – erinnert sei nur an C/2004 Q2 (Machholz) und C/2007 N3 (Lulin) – auch in Mitteleuropa recht prominent in Erscheinung getreten waren. C/2012 F6 bot denn mit zwei größeren Schweifabrissen (02.03.2013 und 15.05.2013) sowie zeitweise raschen Schweifveränderungen das klassische „Programm“ eines Gaskometen. Dies gilt auch für die Flächenhelligkeit seines Schweifs, der Anfang März zwar auf Fotografien über 10 Grad lang erschien, jedoch visuell nur etwa 1/3 dieser Länge erreichte. Abgesehen von der erwähnten Dynamik innerhalb des Gasschweif bot Lemmon jedoch von Mitte Januar bis Mitte April im Großen und Ganzen ein sehr einheitliches Erscheinungsbild. Erst Ende April zeigte sich dann, dass der Periheldurchgang (24.03.2013) dem Kern doch eine etwas größere Menge Staub entlockt hatte. Zunächst auf den Bildern absoluter Spitzenfotografen, im Mai dann auch auf den Fotos anderer Amateurastronomen präsentierte sich Lemmon nun als „anständiger“ – und immer noch unglaublich ästhetischer – Komet mit Staub- und Gasschweif, während in der Koma unverändert der Gasanteil dominierte.

Apropos Mai: zu dieser Zeit war Komet Lemmon auch auf der Nordhalbkugel (wieder) sichtbar, allerdings ungünstig in der zum Mittsommer hin immer länger werdenden Morgendämmerung positioniert. Das wäre gar nicht so ein Problem gewesen, wenn der Komet sich in seiner Helligkeitsentwicklung an die Vorhersagen gehalten hätte. Bis weit in den Februar hinein deutete alles darauf hin, dass er Ende März 3 mag oder vielleicht sogar 2.5 mag erreichen würde. Doch die Entwicklung stagnierte ab Mitte Februar. Mit 4.5 mag war die Perihel-Helligkeit zwar immer noch 100x größer als bei der Entdeckung erwartet, aber eben auch etwa 5x geringer als es die späteren Prognosen suggeriert hatten. Entsprechend war er, als er in Mitteleuropa einigermaßen hoch über dem Horizont stand, nur noch etwa 7 mag hell. So bekam abgesehen von einigen ambitionierten Kometenfotografen in Mitteleuropa kaum jemand Komet Lemmon zu Gesicht. Doch im Internet war der grüne Komet neben dem staubgelben Panstarrs die astronomische Attraktion im Winter und Frühjahr 2013.

Die ausführliche, live zwischen Januar und Mai 2013 geschriebene Story von Komet Lemmon sowie zahlreiche Links zu Fotos, Videos und Webseiten findet sich unter

Steckbrief des Kometen Lemmon
Entdeckung: 23.03.2012
Perihel: 24.03.2013, 0.73 AE
Erdnähe: 05.02.2013, 0.99 AE
Neigung der Bahn zur Erdbahn: 83 Grad
Umlaufzeit um die Sonne: 10733 Jahre
Mit bloßem Auge sichtbar: 02.02. - 16.03.2013
Maximale Helligkeit: +4.5 mag (16.03.2013)
Maximale Schweiflänge: 14° (01.03.2013)


Abb. 1: Komet Lemmon am 16.02.2013 in seinem typischen Erscheinungsbild. Die grüne Farbe wird durch Dicarbon (C2) verursacht, welches durch die harte UV-Strahlung der Sonne angeregt wird. Bildnachweis: Massimozanardi (Wikipedia). Lizenziert unter CC BY-SA 3.0.

Abb. 2: Ende Februar und Anfang März erregten Fotos von der Südhalbkugel, auf denen die beiden Kometen Lemmon und Panstarrs gemeinsam abgebildet waren, große Aufmerksamkeit. Besonders beeindruckend war der farbliche Kontrast zwischen dem grünen Gaskometen Lemmon und dem gelblichen Staubkometen Panstarrs.
Bildnachweis: Juri Beletsky, Observatorio de Las Campanas, Chile (Foto-Quelle). Lizenziert unter CC BY 3.0.



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